BUND-Kreisgruppe Neuss

BUND-Biotop am Trietbach

Unsere BUND-Gruppe betreut im Rahmen des ehrenamtlichen Naturschutzes seit 2013 ein naturnahes Areal im Landschaftsschutzgebiet am Trietbach in Korschenbroich.                   

Das Gelände war in den 60er Jahren als privates Freizeitgelände gestaltet worden, u.a. zum Angeln und Gärtnern, und später dann viele Jahre ungenutzt sich selbst überlassen. Es ist 8700m2 groß und enthält zwei Teiche von etwa 1000 m2 bzw. 2000 m2 Größe, die lange Jahre gut vom Trietbach mit Wasser gespeist wurden und bis etwa 1,4 m tief waren.

Im Sommer 2017 wurde das Areal von der BUND-Stiftung NRW erworben und seitdem von uns als „BUND-Biotop am Trietbach“ gepflegt und entwickelt. Als Biotop-Elemente enthält es um die angelegten Teichen herum, Anteile an der Trietbach-Aue, ehemalige Streuobst-Wiesenflächen und an den Grenzen teils alte Kopfweiden und Hecken, die alle durch langjährig fehlende Pflege in ihrer Struktur schon erheblich beeinträchtigt waren.      

Unser Hauptziel war zunächst der Erhalt der Lebensgrundlagen der dort noch vorhandenen Flora und Fauna, darunter geschützte Arten wie Teichmuschel, Eisvogel und diverse Amphibien. Vordringliche Maßnahmen waren (und sind z.T. noch) die Entfernung von durch Menschen eingebrachten Fremdmaterialien (u.a. Müll, Zäune) und standortfremden Gehölzen (u.a. Bambus, Kirschlorbeer, Fichten), die Reduzierung flächig überwuchernder Pflanzen (v.a. Brombeeren, Brennnesseln) und (zunehmend) die Sicherung der Wasserversorgung über den Jahresverlauf.

Mittelfristig wollen wir durch unsere Maßnahmen die Struktur der verschiedenen Biotope als Lebensräume sichern und dadurch die lokale Artenvielfalt deutlich erhöhen.                         

Zu diesem Zweck fallen im Jahresverlauf verschiedene Biotop-Pflege-Arbeiten regelmäßig an, wie Kopfweiden-Gehölz-Schnitt, Heckenschnitt, Brombeer-Rückschnitt, Wiesenmahd und Gewässer-Entschlammung. Dazu kommt die standortgerechte Anpflanzung bzw. Aussaat von Bäumen, Sträuchern, Blütenpflanzen und Wasserpflanzen. Diese Arbeiten werden von uns sowohl in Einzelarbeit wie auch in Gruppen-Aktionen durchgeführt.

Unsere Tätigkeit ermöglicht uns die intensive Naturbeobachtung vor Ort im Verlauf der Jahreszeiten über die Jahre hinweg und vermittelt so viele konkrete, spannende Erfahrungen mit ökologischen Problemen im Biotop, wie z.B.:

  • die Problematik von Neozoen wie Nutrias und Bisams, die seit ihrer Aussetzung in Europa durch Menschen die die Wasser- und Ufervegetation stark schädigen und damit die Lebensgrundlage anderer Organismen in Wasserbiotopen zerstören

  • die Auswirkungen des Klimawandels, die durch den Mangel an Niederschlägen auch die Wasserführung des Trietbachs und damit die Wasserversorgung des Teichbiotops stark reduziert haben und 2019 zum kompletten Trockenfall des größeren Teichs geführt haben

  • das Sterben der großen Fichten am Trietbach seit 2017 infolge Trockenheit und Befall mit Borkenkäfern, nach deren Fällung wir standortgerechte Auengehölze gepflanzt haben;

  • die spontane natürliche Wiederbegrünung des in 2019 trockengefallenen schlammigen Teichgrundes durch im Schlamm ruhende Samen vieler Pflanzen wie Binsen, Seggen und Rohrkolben ab Frühjahr 2020;

  • die rasche Nutzung von nach dem Trockenfall von kurzfristig neu angelegten, teils temporären Kleingewässern durch Amphibien, Wasserinsekten und Libellen noch im selben Jahr;   

  • und viele andere Beobachtungen mehr …

Das BUND-Biotop am Trietbach soll auch in Zukunft naturnah gepflegt und nachhaltig weiterentwickelt werden und vor allem Lebensraum einer natürlichen, möglichst artenreichen Gemeinschaft an Pflanzen und Tieren sein und bleiben.                

Naturfreund-innen aus Korschenbroich und Umgebung, die Freude an der Betätigung an der frischen Luft haben, einen persönlichen lokalen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten wollen und sich im Rahmen unserer Zielsetzung an den Aktivitäten im BUND-Biotop beteiligen wollen (oder auch an anderen BUND-Aktionen), sind in unserer Gruppe jederzeit herzlich willkommen!

Kopfweidenschnitt

Dieses Zeitraffervideo zeigt den Rückschnitt einer alten Kopfweide auf dem Gebiet der Stadt Korschenbroich in Jahr 2015.

Vergleichbare Kopfweiden stehen auch auf dem Gelände des BUND Biotops am Trietbach.

Grundlagen des Naturschutz im BUND-Biotop Am Trietbach

Das „BUND-Biotop am Trietbach“ befindet sich seit 2017 im Besitz der BUND-Stiftung NRW. Die Grundlage für alle unsere ehrenamtlichen Arbeiten im Biotop sind somit die Richtlinien und Ziele des Naturschutzes.  

Dabei bedürfen Eingriffe, die Elemente in einem Landschaftsschutzgebiet verändern oder den Wasserhaushalt beeinflussen, häufig der vorherigen Genehmigung der zuständigen Behörden (Landschaftsbehörde bzw. Wasserbehörde). An diese Vorgaben haben wir uns mit unseren Maßnahmen zu halten.

Unter Naturschutz fallen alle Maßnahmen des Biotopschutz und Artenschutz, zur Erhaltung und Wiederherstellung der Natur, ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit, ihrer Leistungs-fähigkeit und nachhaltigen Nutzbarkeit, mit dem Ziel, Natur und Landschaft als Lebensgrundlage zu erhalten (wie es im Grundgesetz Artikel 20a verankert ist).

Unter Umweltschutz fallen alle Maßnahmen, die menschliche Aktivitäten als Ursachen von Umweltschäden auszugleichen versuchen.

Ein Biotop ist ein durch bestimmte Pflanzen- und Tiergesellschaften (Biozönose) gekennzeichneter Lebensraum, ob natürlich entstanden oder vom Menschen erschaffen.

Ein Teich ist ein kleineres, künstlich angelegtes, stehendes Gewässer, geringer Tiefe, meist mit Zu- und Ablauf, das durch ein Ablaufbauwerk nötigenfalls trockengelegt werden kann. Ein Weiher ist ein kleines, flaches, ganzjähriges Stillgewässer, ein Tümpel ein temporäres Flachgewässer, beide ohne Abfluss.

Eine Streuobstwiese ist aus der traditionellen Form des Obstbaus mit hochstämmigen Obstbäumen verschiedener Arten und der Unternutzung als extensive Mähwiese entstanden. Sie ist mit ihrer Krautschicht und ihrer Kronenschicht ein besonders artenreicher Lebensraum für Vögel, Insekten, Gräser und Blütenpflanzen, die sich im Laufe der letzten Jahrhunderte an die Nutzungsbedingungen angepasst haben.

Eine Aue ist eine Uferlandschaft von Bächen (oder Flüssen), deren Geländeform und Lebensgemeinschaften mit hoher Artenvielfalt vom Wechsel zwischen niederer und hoher Wasserführung geprägt ist.

Beim BUND-Teichbiotop am Trietbach handelt es sich sowohl bei den Teichen als auch bei der Streuobstwiese um menschengemachte Naturelemente einer Kulturlandschaft, dennoch mit erheblichem potentiellen Wert für vielfältige Tiere und Pflanzen.                                         Es handelt sich hier, wie auch bei der Trietbachaue, nicht um von Menschen unberührte Natur, die wir in Korschenbroich leider nicht mehr vorfinden, sondern bestenfalls um naturnahe Lebensräume

Im BUND-Biotop sollen standortgerechte Flora und Fauna gefördert werden und (vereinbarungsgemäß) nicht standortgerechte Gehölze und Pflanzen entfernt werden. Besondere negative Bedeutung haben im Biotop durch Menschen angesiedelte Neozoen wie Nutria, Bisam und (ehemals) Graskarpfen, die es in seiner Ufer- und Wasservegetation stark beeinträchtigen und so die Entwicklungsmöglichkeiten vieler anderer einheimischer Lebewesen einschränken und damit die Artenvielfalt sehr reduzieren. Hier sind im Sinne des Naturschutzes geeignete Gegenmaßnahmen erforderlich.  

Im Biotop soll Natur sich eigenständig entwickeln können, Pflanzen und Tiere sollen sich standortgemäß selbst ansiedeln, vermehren und ausbreiten können, und so im günstigen Fall sich selbständig nachhaltig erhalten können. Alle menschlichen Eingriffe sind deshalb hier auf ein Mindestmaß zu beschränken. Sie sind nur soweit gerechtfertigt, wie sie zur Wiederherstellung oder Erhaltung wichtiger Elemente der Kulturlandschaft notwendig und damit Voraussetzung für die natürlichen Entwicklungsprozesse sind.

Im Naturschutz ist der natürlichen, nachhaltigen Entwicklung Vorrang und damit auch angemessene Zeit zu geben (Ungeduld und menschliches Effizienzdenken sind hier fehl am Platz). Die Natur bestimmt den weiteren Verlauf, und wir können die natürliche Entwicklung mit behutsamen Eingriffen aufmerksam begleiten und dabei aus Erfolgen wie aus Fehlschlägen unserer menschlichen Eingriffe viel von der Natur lernen.                                                                                                                  

Ein Grundprinzip der ehrenamtlichen Naturschutzarbeit sollte auch ressourcen-schonendes Arbeiten sein. Das Biotop sollte daher vorrangig mit lokal vorhandenen, natürlichen Materialien weiterentwickelt werden. Der Aufwand an Fremdmaterialien und externen Ressourcen wie Strom und Maschinenarbeit sollte so gering wie möglich gehalten werden, CO2-neutrale menschliche Handarbeit ist also wo immer möglich vorzuziehen.                                                                         

Auf dieser Grundlage soll das BUND-Biotop am Trietbach durch unseren Einsatz naturnah gestaltet werden und Lebensraum einer natürlichen artenreichen Gemeinschaft an Pflanzen und Tieren sein. Jeder, der sich in dieses Konzept der Renaturierung und naturnahen Weiterentwicklung des BUND-Teichbiotops am Trietbach aktiv einbringen kann und will, ist hier zur Mitarbeit und zum Miterleben herzlich willkommen – unabhängig von seiner Mitgliedschaft im BUND. Und jeder von uns kann hier in seiner Freizeit seinen persönlichen lokalen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.

 

Text: Rolf Kaiser

Quellenangabe:

Sämtliche Begriffsdefinitionen in Anlehnung an die entsprechenden Artikel auf www.wikipedia.de