BUND-Kreisgruppe Neuss

Mahdgutübertragung auf eine Wiese des BUND-Biotops

Die Mahdgutübertragung

Am Freitag, dem 08.10.2021 hat sich die BUND-Gruppe Korschenbroich auf ihrer Wiese am Trietbach getroffen, um unter der fachlichen Anleitung der Biologischen Station Rhein-Kreis Neuss eine Mahdgutübertragung durchzuführen. Groß und Klein packen mit an um mit dem Heu aus nahgelegenen Naturschutzgebieten einen besonderen Beitrag für die Artenvielfalt vor Ort zu leisten.

 

Auf unserem Grundstück am Trietbach soll eine artenreiche Wildblumenwiese entstehen. Hierfür haben wir uns die Methode der Mahdgutübertragung entschieden, bei der die Mahd einer möglichst artenreichen Wiese auf den Boden einer anderen Fläche ausgebracht wird. Unterstützt werden wir hierbei von Thomas Braun und Jana Wermeyer von der Biologischen Station Neuss, die nicht nur Erfahrung und Fachwissen, sondern das regionale Mahdgut mitgebracht haben.

 

Bei strahlender Herbstsonne kommen uns die Unterstützer*innen unseres Projektes besuchen. Eugen Viehof von der Eugen Viehof Generationen Stiftung, Jan-Hendrik Elter vom Rhein-Kreis Neuss und die Künstlerin Kerstin Grobler, die aktuell ihre Bilder zugunsten des BUND versteigert, wollen sich vor Ort ein Bild machen und natürlich mit anpacken.

Mit den Worten „Nur was man kennt, kann man auch schützen.“ begrüßt Gerd Sack vom BUND Korschenbroich unsere jüngsten Gäste. Die Umweltpädagogin Nadine Eiben und ihre Kindergruppe, die auch sonst oft zusammen die Natur um den Trietbach erkunden, sind mit ihren Matschhosen und Gummistiefeln gut ausgerüstet für die Aktion.

 

Zuerst gibt es eine Einführung ins Thema: Im Gegensatz zur Ausbringung von Saatgutmischungen, werden mit dem Mahdgut nicht nur die Samen von Kräutern und Gräsern, sondern Pilze, Flechten und sogar Insekten im Larven – oder Eistadium aus dem Ursprungsgebiet eingebracht. „Damit kann ich unglaublich viel für die Biodiversität tun.“ erklärt Thomas Braun, während sich ein paar Meter weiter das junge Publikum von Jana Wermeyer hauptsächlich für den Traktor interesseiert, der die vielen bunten Blumen von einer zur anderen Wiese bringt.

 

Dann geht es an die Arbeit: Beim ersten Ballen zeigen Jana Wermeyer und Thomas Braun noch, wie es geht: „Wo abgerollt wurde, liegen schon die meisten Samen, daher gilt es jetzt, möglichst viel des Mahdgutes auf der restlichen Fläche zu verteilen.“ erklärt Wermeyer. Und schon sind unsere großen – und vor allem kleinen Helfer kaum noch zu halten. Nach zwei Stunden ist die komplette Fläche mit dem Mahdgut bedeckt. Jetzt heißt es abwarten und hoffen, dass auch auf unserer Fläche im nächsten Jahr eine bunte Vielfalt zu beobachten ist, die viele Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge mit Insekten Nahrung und Unterschlupf versorgt.

Hintergrund zur Mahdgutübertragung

Regionalität und Vielfalt

 

Eine gängige Praxis beim Einsäen naturnaher Wiesen ist die Aussaat von regionalem Saatgut, das man bei verschiedenen Herstellern, nach Arten getrennt oder als Mischung beziehen kann. Gut ist hier, dass das Saatgut naturverträglich gewonnen wird und es sich tatsächlich um Arten handelt, die an Umweltbedingungen vor Ort angepasst sind. Allerdings handelt es sich hier immer nur um eine Zusammenstellung einiger Arten, während bei der Mahdgutübertragung eine gesamte Artengemeinschaft angesiedelt wird, die zusammen funktioniert und oft noch um einiges vielfältiger ist.

Die Bezeichnung „Regionales Saatgut“ erstreckt sich in unserem Naturraum bis in 250 km entfernte Gebiete in Niedersachsen. Das Mahdgut, dass auf unserer Wiese in der Lichtstraße ausgebracht wird, kommt hingegen aus einem Umkreis von 20 km und stammt aus drei Schutzgebieten mit einer besonderen Artenvielfalt: Dem Wahler Berg, der Altarmschlinge Gohr und dem Uedesheimer Rheinbogen. So finden wir in den Ballen auch die Samen regionaler Besonderheiten, wie den orientalischen Bocksbart, den Rispenamfer und die Wiesenskabiose.

 

Auch für Kommunen geeignet

Auch für kommunale Grünflächen sei die Mahdgutübertragung eine durchaus empfehlenswerte Methode um für mehr Artenvielfalt zu sorgen. Gängige Blühstreifen, die oft an Äckern oder Straßenrändern zu sehen sind, mit ihrem hohen Anteil an einjährigen und wenig regionalen Arten hingegen oft eher gut für’s Auge, als für die Artenvielfalt: „Van Gogh hätte sich gefreut, aber wie das für die Insekten ist, sei Mal dahin gestellt.“, so Thomas Braun.
Grundsätzlich sei es aber gut, dass auf vielen Ebenen etwas passiere und sich sowohl Privatleute als auch die verschiedenen Ebenen der Politik immer mehr dem Thema Biodiversität zuwenden.
 


Die richtige Pflege

Damit sich eine artenreiche Wiese entwickelt und hält, empfiehlt Thomas Braun eine zweifache Mahd – je nach Wuchs der Wiese - in Juni und August. „Damit die tierischen Bewohner durchgehend einen Unterschlupf und Nahrung finden, ist es ratenswert, verschiedene Teile der Wiese zeitlich versetzt zu mähen.“ Auf einer gerade gemähten Fläche könne man nach etwa 6 Wochen mit einer erneuten Blühte der Wildblumen rechnen. Allerdings können den Kleintieren auch die Randbereiche der Wiese zur Überbrückung dienen. Einige, durchaus häufige Arten, die hier zu finden sind, werden in ihrer Bedeutung für die Biodiversität meist unterschätzt. So leben vom Rainfarn bis zu 80 Insektenarten, 24 sind auf ihn spezialisiert.


Die frühere Nutzung der Fläche als Kuhweide, wie auch der derzeitige Bewuchs lassen darauf schließen, dass sich auf unserer Fläche am Trietbach eine Fettwiese etablieren wird. Das schließt einen hohen Artenreichtum aber nicht aus. Durch eine frühe Mahd und die Abtragung des Mahdgutes werden konkurrenzschwache Arten gefördert. Hierbei helfen kann auch eine der mit dem Mahdgut eingebrachten Arten – der zottige Klappertopf. Der lebt als Halbschmarotzer an Gräsern und drängt die sonst oft dominanten Gräser zurück, indem er ihnen Nährstoffe entzieht. So entsteht Platz für das Wachstum anderer Arten.
 

Als Verwertung ist am besten die Nutzung als Viehfutter geeignet. Die Wiese weiterhin durch Beweidung offenzuhalten, sieht Thomas Braun nur als bedingt empfehlenswert an. Hier müsse im Sinne der Artenvielfalt sehr sorgsam vorgegangen werden. Durch eine zu lange Dauer der Beweidung oder die Beweidung mit zu vielen Tieren, könnten zu viele Nährstoffe eingetragen werde. Da Schafe als erstes die Blüten der Wildkräuter fressen, sollten sie keinesfalls das ganze Jahr über eine solche Fläche beweiden.
 

 

Artenliste:

Rapunzel Glockenblume
Wiesenskabiose ssp pratensis
Orientalischer Bocksbart
Hasenklee
Skabiosen Flockenblume
Wiesen-Pippau
Schafgarbe
Wiesenknopf
kümmelblättriger Haarstrang
Spitzwegerich
Kleine Wicke
Hornkraut
Turmkraut
Wiesen-Witwenblume
Knautie
Rispenampfer
Calamagrostis

 

Text und Fotos: Kerstin Schnücker / BUND Referentin für Stadtnaturschutz