BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


"Geliebte Wildnis" in der Gemeinde Jüchen

Auf dieser Seite stellen wir vor:

1. unsere Aktionen zur Förderung von Natur im Gemeindegebiet

2. ausgesuchte Naturräume im Gemeindegebiet

5. Juli 2011

Mahdgutübertragung

Eins der Ziele des BUND Jüchen ist es, blühende Wiesen und Wegränder auch in Jüchen wieder entstehen zu lassen. Immer mehr Wiesenblumen sind in den letzten Jahrzehnten aus dem Landschaftsbild der Gemeinde verschwunden. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen gar nicht mehr wissen, wie eine Kornblume oder eine Wiesenflockenblume aussieht.

Um in Jüchen die Artenvielfalt von Wiesen und Wegrändern zu erhöhen, hatte der BUND Jüchen und die BUNDSpechte in den letzten Jahren Wildblumensamen gekauft und auf ausgewählten Flächen in der Gemeinde ausgesät. Dabei hatten sie Wert daraufgelegt, dass auch das Saatgut aus der Region kommt, denn nur so können die Anpassungen an die lokalen Klima- und Bodenbedingungen erhalten bleiben. Doch Saatgut aus regionalen Nachzuchten ist noch selten und teuer, von einigen Wildblumenarten gibt es oft gar kein Saatgut zu kaufen.

Seit einigen Jahren wird eine erfolgreiche und preiswertere Alternative erprobt: die Mahdgutübertragung.

Bei dieser Methode werden artenreiche Wiesen gemäht, und der frische Schnitt auf anderen Flächen ausgebracht. Um den Transport zu vereinfachen, können die gemähten Wiesenpflanzen noch frisch zu Rundballen gepresst und verladen werden. Dadurch bleiben die Samenstände an den Stängeln der Wildblumen, und lösen sich nicht so stark ab, wie es beim Heutrocknen der Fall wäre. Allerdings darf der Wiesenballen in diesem gepressten Zustand nur kurze Zeit bleiben. Am Zielort angekommen, müssen die Ballen sofort ausgerollt werden, denn das feuchte und gepresste Schnittgut würde sonst zu große Hitze entwickeln und gären. Die Wildblumensamen würden dadurch geschädigt.

Die guten Erfahrungen dieser Methode waren für den BUND Jüchen der Anlass, dieses Verfahren auch in Jüchen auszuprobieren und dadurch die verschwundenen Wiesenarten wieder anzusiedeln. Da mit dem gemähten Ballen nahezu das komplette Artenspektrum der Spenderwiese übertragen wird, war es besonders günstig, dass in der Nähe die Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss e.V. von mehreren artenreichen Wiesen im Zonser Grind lokales Mahdgut gewinnt und dieses auch schon erfolgreich auf neue Flächen übertragen hat. Die Planung für ein gemeinsames Projekt in Jüchen erfolgte bereits im letzten Jahr. Als Empfängerfläche wurde aus verschiedenen geeigneten Flächen in Absprache mit Herrn Weyerstrass von der Gemeinde Jüchen der Streifen neben dem Graben an der Robert-Bosch-Straße ausgewählt.

Auch wenn das Projekt langfristig geplant war, erforderte die eigentliche Aktion einen sehr kurzfristigen Einsatz, denn schon der Termin für das Wiesenmähen wird meist kurzfristig entschieden, abhängig von der Wetterlage. Steht dann der Schnitttermin einmal fest, muss spätestens am nächsten Tag der gepresste Ballen wieder ausgebreitet werden.

So kam es, dass einige eilige Telefonate ausgelöst wurden, als Thomas Braun von der Biologische Station beim BUND Jüchen, anrief und mitteilte, dass er am kommenden Tag die Ballen nach Jüchen bringen könnte, Die wertvolle Fracht sollte schließlich in Jüchen gut vorbereitet in Empfang genommen werden. Am Dienstag Nachmittag wurde mit vereinten Kräften das von der Biostation gespendete Mahdgut auf der neuen Flächen neben dem Graben ausgerollt und mit Heugabeln ausgebreitet. Die Zeitplanung war optimal, denn während die Arbeiten noch bei heißem und sonnigem Wetter stattfanden, begann es in schon in der gleichen Nacht wieder zu regnen.

Den Erfolg dieser Mahdgutübertragung werden der BUND Jüchen und die Biostation weiter verfolgen. Entwickelt sich die neue Wiese gut, können in den nächsten Jahren mit ihrem Mahdgut sogar weitere Flächen der Gemeinde mit Wildblumen angereichert werden.

Biostation Neuss

LANUV: Methodenbeschreibung

15. April 2011

Aussaat vom "großen Wiesenknopf"

Es ist wieder ein weiterer Schritt in Richtung blühendes Jüchen getan. Die BUNDSpechte säten im Regenrückhaltebecken Rederhof den großen Wiesenknopf aus. Diese rotblühende Wildblume wächst bevorzugt auf Feuchtwiesen. Durch die Trockenlegung von feuchten Wiesen und die frühen Mähtermine vor der Samenreife ist diese wertvolle Futter- und Heilpflanze vielerorts ganz verschwunden.

Mit dem großen Wiesenknopf sind auch Schmetterlingsarten gefährdet, die an diese Pflanze angepasst sind. Zwei Arten des hübschen Wiesenknopf-Ameisenbläuling legen ihre Eier an die Blütenknospen des großen Wiesenknopf. Die Raupe frisst einige Zeit an der Pflanze und wird dann im Herbst von einer bestimmten Ameisenart ins Nest gebracht. Dort versorgen die Raupen die Ameisen zwar mit einem Sekret, sie fressen allerdings auch die Ameisenbrut. Nach der Überwinterung im Ameisenbau schlüpfen die Schmetterlinge im Frühjahr.

Den Samen des großen Wiesenknopfes hatten die BUNDSpechte im letzten Jahr auf der Biostation des Kreises Neuss gesammelt, als sie ihr Patenschaf besuchten. Jetzt wurde es Zeit, die Wildblumen auszusäen. Als ersten Einsatzort wählten die BUNDSpechte den Rand des Regenüberlaufbeckens Rederhof aus. Mindestens zwei weitere Standorte haben die BUNDSechte für die Aussaat noch geplant.

Sie hoffen nun, dass die Aussaat des Wiesenknopfs an den Aussaatstellen erfolgreich ist. Wenn dann noch die richtige Ameisenart vorkommt, haben auch die Ameisenbläulinge ein Chance, in Jüchen wieder eine Heimat zu finden.

 

Weitere Aussaaten vom großen Wiesenknopf im April

An zwei weiteren Orten säten die BUNDSpechte noch den großen Wiesenknopf aus:

- an den Böschungen des Regenüberlaufbeckens in Otzenrath,
- am renaturierten Jüchener Bach, im Feuchtwiesen-Bereich.

auf dem Weg zum Einsatzort: großen Wiesenknopf entdeckt!

3. September 2010

Der Wegrain blüht!

Der Wegrain, den die BUNDSpechte am Wirtschaftsweg vom Schulzentrum Richtung Herberath eingesät hatten, ist erblüht. Bei ihrem ersten Treffen nach den Sommerferien stellten sie eine große Artenanzahl von Wildblumen fest. Auf dem frisch umgepflügten Wegrain überwiegen noch die Acker-Wildkräutern, wie der rot-weiße Ampferknöterich und die Weiße Melde. Zwischen ihnen sind die neuen Wildblumen schon gut zu erkennen, das Blau von Kornblume und Wiesen-Storchenschnabel, das Violett von Flockenblume, das Rot von Mohn und Lichtnelke, das Weiß von Margarite, wilder Möhre und Taubenkropf-Leimkraut, und das Gelb von Rainfarn. Im Frühjahr werden dann weitere ausgesäte Arten keimen und das bunte Bild ergänzen.

8. Mai 2010

4 Meter breite Wildblumen-Wegrain neben Weide ausgesät

Auf 1000 qm säten die BUNDSpechte ihre Wegrain-Wildblumen in Jüchen hinter der Realschule aus, denn sie wollen die Wegraine Jüchens zum Erblühen bringen. An zwei Wegränder einer neuangelegten Pferdeweide hat die Gemeinde einen 4 m Wegrain zur naturnahen Gestaltung freigegeben. Zunächst musste die Breite abgemessen und dann der Boden mit einem Rechen glattgezogen werden, anschließend konnte dünn Grassamen und dann die wertvollen Wegrain-Wildblumensamen ausgesät werden. Zum Abschluss wurde alles noch einmal festgewalzt. Ein paar Tage später gab es dann auch glücklicherweise Regen, damit die Saat auch keimen konnte.

Jetzt heißt es abwarten, und beobachten, wie sich der Wegrain entwickelt und ab wann Wiesensalbei, rote Lichtnelke, Wiesenstorchschnabel, Flockenblume, Schafgarbe, Glockenblume und Margarite blühen.

BUNDSpechte säen Wiesenschaumkraut aus

Typisch für unsere heimischen Feuchtwiesen ist im Frühjahr eigentlich ein rosa Teppich aus blühendem Wiesenschaumkraut. Diese früher sehr häufig vorkommenden Blumen sind hier aber fast ganz verschwunden. Obwohl das Wiesenschaumkraut noch vor einigen Jahren als häufig vorkommende Pflanze eingestuft wurde, sind gravierende Rückgänge verzeichnet worden. 2006 wurde deswegen das Wiesenschaumkraut zur Blume des Jahres ernannt, um so auf die Bedrohung des Lebensraumes aufmerksam zu machen.
Zum Namen verholfen haben dem Wiesenschaumkraut bestimmte Insekten, die Schaumzikaden, die häufig an der Wildblume saugen. Ihre Larven leben geschützt in den typischen Schaumnester am Stängel, auch Kuckucksspeichel genannt.

Für den hübschen Aurorafalter ist das Wiesenschaumkraut, neben der Knoblauchrauke, eine der wichtigsten Nektar- und Futterpflanzen. Die Raupen fressen ab April/Mai am Wiesenschaumkraut und überwintern anschließend am Stängel. Besonders am Wiesenrand sollten deswegen die ausdauernden Wildblumen stehen gelassen werden, oder es sollte zumindest nicht zu tief gemäht werden, damit der Aurorafalter im nächsten Jahr aus der Puppe schlüpfen kann.
Auch in Jüchen gibt es nur noch an einigen wenigen Standorten kleine Vorkommen dieser Wiesenblume. Das wollen die BUNDSpechte ändern und helfen mit der Aussaat von Wiesenschaumkraut der heimischen Natur auf die Sprünge.
Erster Einsatzort war das Regen-Überlaufbecken des Gymnasiums am Scheulenbend.
Zunächst mussten die BUNDSpechte Grassoden abstechen, um in der aufgelockerten Erde die Wildblumensamen einzusäen. Jetzt hoffen sie, dass im nächsten Jahr hier die ersten rosa Blüten den Erfolg der Einsaat anzeigen.
Über Meldungen, wo es in der Gemeinde Jüchen noch Wiesenschaumkraut gibt, würden sich die BUNDSpechte freuen.
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16. April 2010

BUNDSpechte wollen Jüchens Wegraine zum Erblühen bringen

„Wegraine Jüchens zum Erblühen bringen!“, das haben sich die BUNDSpechte 2010 für die Fortführung des Projektes „Geliebte Wildnis“ vorgenommen. Erster Einsatzort war Freitag der Wegrain neben dem Feld des Biobauern.

Damit die Wildblumen zwischen den dichten Grasbüscheln überhaupt eine Chance zum Anwachsen haben, mussten die BUNDSpechte zunächst die Grassoden abstechen. Dann erst konnten sie die Wildblumenmischung in die aufgelockerte Erde aussäen. Das sommerlich-schöne Wetter am Freitag erleichterte den BUNDSpechte das doch sehr mühselige Graben im harten Boden. Bei der speziell zusammengesetzten Mischung aus Wildblumen wurde darauf geachtet, dass die Pflanzen an Wegrändern wachsen können und aus der Umgebung stammen, nämlich dem nordwestdeutschen Tiefland.

Blühende Wegraine sind in Jüchen selten. Für uns Menschen ist dadurch ein schöner Anblick im Landschaftsbild verloren gegangen. In der Vergangenheit sind die einheimischen Pflanzen zunächst auf diesen schmalen Streifen zurückgedrängt worden und haben sich an die schwierigeren Bedingungen angepasst. Aber heute werden sie selbst hier nicht mehr geduldet. Dadurch sind einige Pflanzenarten bereits gefährdet, und mit ihnen der Bestand der vielen Tierarten, die auf diese Pflanzen angewiesen sind.

Auch Tiere, wie Hase, Kiebitz, Rebhuhn, die auf den großen landwirtschaftlichen Flächen leben könnten, brauchen die Wegraine, um überleben zu können. Im artenreichen Wegrain finden sie Deckung sowie Kräuter als wichtige Bereicherung des sonst zu einseitigen Speisezettels.

Für die einheimischen Wildtiere und Pflanzen sind die wildblumenreichen Wegraine als Biotopvernetzung sehr wichtig, denn sie sind oft die einzigen Verbindungen zwischen den weit auseinander liegenden Lebensräumen. In ihrem Schutz können die großen Ackerflächen überwunden werden. Dies ist eine Voraussetzung, damit Arten langfristig überleben können.

Über Landwirte und Wegrain-Anlieger, die die Aktion der BUNDspechte und damit die Vielfalt Natur in Jüchen unterstützen wollen, würden sich die BUNDSpechte freuen. Wenn die Grassoden von artenarmen Wegrainen auf einigen Metern schon Mal abgeschoben wären, könnten die BUNDSpechte hier leichter aussäen. Die Umweltjugendgruppe hat mit Rücksicht auf die Landwirte darauf geachtet, dass in der Wildblumenmischung keine Brennnesseln, Disteln oder Winden enthalten sind.

Nun hoffen die BUNDSpechte, dass im Sommer an möglichst vielen Wegrainen z.B. Wiesensalbei, rote Lichtnelke, Wiesenstorchschnabel, Flockenblume, Schafgarbe, Glockenblume und Margarite blühen.

500 qm Schmetterlingswiese ausgesät

auf der frisch erstellten Ausgleichsfläche in Stessen

Juni 2009

Nachdem sich die BUNDSpechte mit ihren Aktionen zur „Geliebten Wildnis“ zunächst an die Gartenbesitzer gewandt hatten, nahmen sie im zweiten Schritt Kontakt mit der Gemeinde auf, um auch auf den Gemeindeflächen den ökologischen Wert für die Schmetterlinge zu erhöhen.

An zwei Nachmittagen säten die Jugendlichen die Schmetterlingsblumen aus, die sie auch bei ihren Aktionen verteilt hatten: 200 qm auf der ökologischen Ausgleichsfläche in Jüchen, hinter Polo, und 300 qm im Neubaugebiet in Stessen. Auch wenn es schade war, dass das heiße, trockene Sommerwetter zu Ferienbeginn vorbei war, für die ausgesäten Schmetterlingsblumen war es dringend nötig, dass sie endlich gewässert wurden.

Öffentliche Grünflächen erfüllen viele Aufgaben. Die Sicherungen der Artenvielfalt von Tieren- und Pflanzenarten sollte dazugehören. Da die öffentlichen Flächen größer als die Gärten sind und anders genutzt werden, besteht für die Kommune die Chance, für ihre Bürger hier die verlorenen Naturlebensräume wieder anzulegen. Nicht nur die Natur profitiert davon, sondern auch die Jüchener, für die das Wohnumfeld attraktiver und vielfältiger wird.
Auf den ökologischen Ausgleichsflächen ist eine naturnahe Planung sogar zwingend vorgegeben, denn hier muss für die Vernichtung von Natur durch Baugebiete oder Straßen ein Ausgleich geschaffen werden. Für die Aussaat von Schmetterlingsblumen weisen diese Flächen deswegen besonders gute Voraussetzungen auf.

 

 

Aussäen auf den Ausgleichsflächen in Jüchen
Quelle: http://www.bund-kreis-neuss.de/ortsgruppen/juechen/geliebte_wildnis/geliebte_wildnis_in_juechen/